Zur Übersicht

Prien am Chiemsee, 2017

Staatliche Realschule

Damit im bayerischen Prien bei Rosenheim die geplante Zusammenlegung der beiden örtlichen Realschulen zur „Staatlichen Realschule Prien“ erfolgen kann, mussten zunächst die baulichen Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Aldinger Architekten realisierten einen rund 2.000 Quadratmeter umfassenden Neubau auf dem Grundstück der bestehenden kommunalen Realschule als Anbau. Der Bestandsbau wird nun in einem 2. Bauabschnitt hinsichtlich der elektrotechnischen Ausstattung und der brandschutztechnischen Erfordernisse umgebaut und generalsaniert. Auch die Fachräume erhalten eine neue Ausstattung. Wenn Neubau und Bestand zu einer Einheit mit 30 Klassenzimmern verbunden sein werden, steht auch der organisatorischen und personellen Fusion der beiden Bildungseinrichtungen nichts mehr im Wege.

Keine Angst vor Satteldächern

Im Auftrag des Landkreises Rosenheim planten Aldinger Architekten in Prien am Chiemsee den Neubau für die zweizügige Staatlichen Realschule sowie den Umbau und die Generalsanierung der bestehenden Realschule.
Das Grundstück der Staatlichen Realschule Prien befindet sich nördlich des Ortskerns von Prien. Nach Süden hin wird das Schulareal mit dem Baukörper der Staatlichen Realschule geschlossen. Die unmittelbare Nachbarschaft zum Kernbereich von Prien und die damit verbundene Nähe zum täglichen Leben mit Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten erzeugen Dichte und schaffen einen positiven lebhaften Hintergrund für den Schulalltag. Der dreigeschossige Schulneubau markiert an wichtiger Stelle eine räumliche Kante des platzartig verbreiterten Straßenraums der Schulstraße, der auch für Stadtfeste oder ähnliche Aktivitäten genutzt wird und der räumlich engeren Weiterführung der Schulstraße nach Norden. Er nimmt Merkmale und Attribute der umgebenden Bebauung, wie zum Beispiel die Giebelständigkeit zur Straße hin, auf und adaptiert die in ländlichen Regionen weit verbreitete typische Satteldachform – jedoch auf sehr moderne, anmutige Weise.

Damit ist sowohl die harmonische Integration des Hauses in das bauliche Umfeld als auch die Wahrnehmung des Schulneubaus als öffentliche Bildungsanstalt gewährleistet.

Der lang gestreckte Baukörper fügt sich in seiner Kubatur und den Proportionen der Giebel- und Wandflächen in das vorhandene Ortsbild ein. Der Entwurf sah ein Schulgebäude vor, das wie der überwiegende Teil aller Häuser in Prien als Volumen „auf Grund und Boden“ steht, was bedeutet, dass es keine vom Gelände abgehobenen Baukörper oder dergleichen aufweist.

Bezug zur regionalen Bautradition gewahrt

An der Hauptfassade zur Schulstraße wurde eine Fuge ausgebildet. Sie nimmt die Proportionen der Risalite des bestehenden Schulgebäudes auf , betont den Eingangsbereich und ermöglicht ein witterungsgeschütztes Betreten des Schulgebäudes. Der Massivbau erhielt eine Putzfassade mit mineralischer Dämmung als klassische Lochfassade. Die Formate und Proportionen der Fensteröffnungen orientieren sich an den Proportionen der Fenster aus dem bestehenden Schulgebäude. So entsteht ein Verhältnis von etwa 60 Prozent geschlossener zu 40 Prozent offener Fassadenfläche.
Die Fenster erhielten entsprechend der ortsüblichen Tradition und Ausführung Putzfaschen. Das Haus hat an den Giebelseiten und entlang der Traufe nach Süden einen Dachvorsprung. Trotz seiner Größe fügt sich das Gebäude unauffällig und bescheiden in die Umgebung ein und nimmt mit handwerklich authentischen Details den Bezug zur regionalen Tradition auf.

Wirtschaftlich gebaut, effizient im Betrieb

Der Neubau ist wie das Bestandsgebäude über alle Geschosse konsequent als Zwei-Spänner angelegt. Über einen Mittelflur, dem an beiden Enden ein Treppenhaus zur Vertikalerschließung der vier Ebenen zugeordnet ist, werden alle Räume erschlossen. Beide Treppenhäuser münden im Erdgeschoss in Ausgänge, die unmittelbar ins Freie führen. Dem Treppenhaus an der Fuge zum Bestandsgebäude ist ein Aufzug zugeordnet. Er verbindet barrierefrei alle Ebenen des Neubaus und des Bestandsgebäudes sowie das Untergeschoss mit der Lehrküche des Erweiterungsbaus.

Das Gebäude wurde in konventioneller Ortbetonbauweise mit einer Flachgründung, Vollunterkellerung und mit Edelstahleindeckung zur Dachabdichtung errichtet. Mit besonderer Sorgfalt wurde darauf geachtet, dass die konstruktiven Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Herstellung gegeben waren. Das Dach erhielt eine Edelstahl-Eindeckung mit außenliegenden Rinnen und Fallrohren. Die Fassade wurde als Putzfassade mit mineralischen Dämmstoffen ausgeführt. Die Fenster sind als Holzfenster mit Aluminium-Deckschalen im Außenbereich ausgeführt.

Die bestehende Heizzentrale im Untergeschoss des Bestands mit zwei Gaskesseln wird weiterbetrieben. Aus Kapazitätsgründen erhielt der Neubau eine neue nachhaltige Biomasse-Heizanlage als Pellets-Kesselanlage Pausenhalle und der Ganztagesbereich wurden im Erdgeschoss mit einer eine Fußbodenheizung versehen, in den Unterrichtsräumen erfolgt die Wärmeverteilung über statische Wandheizflächen unter den Fenstern.

Gediegenes Farbkonzept

Das zurückhaltende Farbkonzept der verputzten Fassade sieht im Außenbereich neben dem betongrauen Sockel einen mittleren warmgrauen Putzton für das mineralische Dämmputzsystem vor. Der Eingangsbereich und die Faschen um die Fenster wurden mit einem Feinputz in Weiß oder einem warmen Grauton akzentuiert. Die Holz-Aluminiumfenster sind im Außenbereich bronzefarbenen eloxiert – ebenso alle weiteren Metalloberflächen, wie die der Zugangstüren und Lamellenraffstores. Im Innenbereich sind die Wandflächen weiß verputzt. Lebendigkeit entsteht durch natürliche Materialien wie Holzdecken und Holzbodenbeläge. (BSZ/AA)

Bauherr Landkreis Rosenheim
Architekt Aldinger Architekten Planungsgesellschaft mbH
Planung 2014 – 2016
Bauzeit 2016 – 2017
BRI 32.800
Baukosten 12,7 Mio. €