Oberlenningen, 1994

Papiermuseum »Schlössle«

Das Schlössle in Oberlenningen steht in einer Reihe baugeschichtlicher vergleichbarer Wohnbauten, die den Lebensstil des ländlichen Adels, der Führungsschicht des Landes unterhalb der Regierung in der Landeshauptstadt, widerspiegeln. Die Bauweise des Hauses ist dem anspruchsvollen städtischen Bürgerhaus verwandt; die Bewohner orientierten sich fraglos an der städtischen Lebenswelt, der sie auch die vergleichsweise reiche Ausstattung des Hauses entlehnten. Erst waren zwei, später sogar drei oder gar vier heizbare Stuben in dem Haus eingeplant. Für die damalige Zeit ein beträchtlicher Luxus.

Bei der Instandsetzung solcher Gebäude ist es seit Jahren das erklärte Ziel der Denkmalpflege, aus lauter Vorsicht die vergleichsweise jüngste historische Bauphase zu erhalten. Denn frühere Versuche, die für wertvoller gehaltenen älteren Bau- und Ausstattungszustände von Kulturdenkmalen zu reaktivieren, haben oft genug zur schmerzlichen Erfahrung geführt, dass diese wegen späteren Umbauten und gestalterischen Verjüngungen nur noch bruchstückhaft überliefert sind. In Konsequenz hieraus entstanden entweder freigelegte Teil-Ruinen oder komplettierte Modelle älterer Zustände von zweifelhaftem dokumentarischem Wert.

Die heutige Denkmalpflege zielt daher verstärkt auf die Sicherung und nur sehr zurückhaltende Komplettierung der jüngeren historischen Bauzustände ab. Es geht heute darum, das gebaute Dokument selbst “sprechen” zu lassen und willkürlich komplettierte, unglaubwürdige Runderneuerungs-Inszenierungen zu vermeiden.

So ist es heute höchst unwahrscheinlich geworden, dass ein Gebäude der Renaissancezeit auch in seinem Zustand der Zeit um 1600 restauriert wird.

Aus diesem Blickwinkel gesehen ist die Restaurierung und Reaktivierung des Oberlenninger Schlössle in seinem Zustand der Zeit um 1600 eine denkmalpflegerische Rarität und ein außerordentlicher Glücksfall.

Dr. Rainer Hussendörfer / Johannes Cramer

Projektdaten

Bauherr Gemeinde Oberlenningen
Architekt Aldinger Architekten
Planung 1990
Bauzeit 1991 – 1994
BGF 800 qm
BRI 5.500 cbm
Baukosten 2,8 Mio. €