Stuttgart, Degerloch, 2007

Hospiz St. Martin

Im Hospiz St. Martin begegnen sich Menschen mit unterschiedlichsten Perspektiven, Fertigkeiten und Fähigkeiten – Lebenswege kreuzen sich. Der Schwerpunkt im architektonischen Konzept liegt in der Ausbildung öffentlicher, gemeinschaftlicher, halböffentlicher und privater Zonen – Stationen an Wegen, Brücken, Treppen, Plätzen und Orten laden zu Kontakt, Beobachtung und Privatheit ein.

Ort der Kommunikation und Retention

Jeder Gast soll sein räumliches Umfeld und die Einbindung in die Gemeinschaft individuell bestimmen können: Ausblick, Einblick, Gemeinschaft und Rückzug sind frei wählbar. Darum kann die Stellung des Bettes in jedem der acht Zimmer frei gewählt werden, wodurch der Gast entweder gleichzeitig oder ausschließlich in die Landschaft, in den Wohnbereich der Gemeinschaft oder in den Innenhof blicken kann. Teilnahme oder Rückzug ist konzeptionell angelegt und gehören zur individuellen Entscheidung der Gäste. Für die spirituellen Bedürfnisse der Gäste, der Mitarbeiter und der Angehörigen und zum Abschiednehmen steht die Kapelle zur Verfügung.

Ort der Individualität und Gemeinschaft

Die Individualisierung der Gäste wird durch das integrative Konzept der Tagespflege, Sozialstation und Tagungsbereich unterstützt. Dementsprechend werden scheinbare Grenzen zwischen Pflegebedürftigen und Pflegenden im Sinne des tragenden Gedankens einer christlichen Gemeinschaft durch die Durchwegung des Gebäudes mit seinen vielfältigen Blickbeziehungen im Garten- und Eingangsgeschoss aufgehoben.

Heimat und Herberge

Die Wohngemeinschaft der Gäste soll durch die assoziativen Zitate wie Vegetation , Wohnlichkeit, Licht und Farbe sowie Materialität Erinnerungen an das eigene Wohnen ermöglichen. Bezüge zur gelebten Biographie zeichnen ein Bild von Heimat, die neue Wohngemeinschaft lebt in einer Herberge auf dem Weg ins Unbekannte.

Konstruktion und Wirtschaftlichkeit

Das Gebäude ist in einer konventionellen Massivbauweise erstellt. Eine energetisch optimierte Hülle in Verbindung mit einer dauerhaften Baukonstruktion bietet vernünftige Investitions- und niedrige Unterhaltskosten

Gestalt

Das Haus der Pflege als Ort der Begegnung und des Rückzugs behandelt die Themen der Introversion und Extraversion als gestaltgebendes Thema. Die aus dem subtraktiven Entwurfsprozess entwickelte Figur sucht die Balance zwischen Eigenständigkeit der Aufgabe und der Einbindung in die Themen des Ortes.

Bauherr Katholische Gesamtkirchengemeinde Stuttgart
Architekt Aldinger Architekten
Planung 2004 – 2005
Bauzeit 2005 – 2007
BGF 2.000 qm
BRI 6.400 cbm
Baukosten 4,1 Mio. €