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Urbanes Wohnen, Landsberg

Urbanes Leben am Papierbach, Landsberg (Lech)

„Dem Siegerentwurf ist es in hervorragender Weise gelungen, die Identität des Ortes sowohl sensibel aufzugreifen als auch ideenreich und nachhaltig fortzuschreiben“: So urteilte die Jury im September bei der Preisgerichtssitzung zum Realisierungswettbewerb mit Ideenteil „Urbanes Leben am Papierberg auf dem Gelände der ehemaligen Pflugfabrik in Landsberg am Lech“.

Wettbewerbsaufgabe

Die stadtzentrumsnahe Industriebrache „Am Papierberg“ zählt zu den wichtigsten innerstädtischen Entwicklungsarealen in Landsberg. Auf dem 5,7 ha großen Gebiet soll in den nächsten Jahren ein neues innerstädtisches Quartier entstehen, das neben der Wohn- und Mischnutzung, Kinderbetreuungseinrichtungen mit Freiflächen auch den Bedarf an Kultureinrichtungen decken soll. Im Rahmen einer verdichteten Bauweise sollen Wohnraum und Infrastruktur in Form eines urbanen Quartiers mit Geschosswohnungsbau geschaffen werden.
Fünf Architekturbüros wurden gezielt zum Wettbewerb eingeladen, darunter auch Aldinger Architekten. Den Teilnehmern stand es frei, Arbeitsgemeinschaften mit weiteren Büros aus Architektur und Landschaftsarchitektur zu bilden. Aldinger Architekten schlossen sich zu einer Kooperation mit dem Berliner Büro Kopperroth, Architektur & Stadtumbau GbR, zusammen.

Sensible und doch eigenständige Architektursprache bis ins Detail

Die Arbeit von Aldinger Architekten und Kopperroth interpretiert das städtebauliche Konzept des Münchner Architektur- und Stadtplanungsbüros Morpho-Logic auf intelligente Weise, so die Jury. Konsequent reagiere der Entwurf auf den öffentlich geprägten Charakter des Ortes: In Abweichung zum Bebauungsplan, jedoch sinnfällig in dieser spezifischen Situation wird auf einen Durchgang zum Hof verzichtet und damit ein deutlicher Kontrast zwischen außen und innen formuliert, der sich auch in der unterschiedlichen Ausbildung der Fassaden widerspiegelt. Der Entwurf stellt damit einen Bezug zum Höfekonzept der Altstadt her. Durch eine differenzierte Freiraumgestaltung und -gliederung schaffen die Architekten mit dem Hof zusätzlich Aufenthaltsqualität. In der Architektursprache fügt sich das Konzept sensibel und doch eigenständig in die Umgebung ein und stellt einen schlüssigen Bezug sowohl zur Industriegeschichte des Ortes als auch zur Tradition des Stein- und Ziegelbaus in Landsberg her. Die Fassaden sind geprägt durch ruhige Zurückhaltung und dennoch bis ins Detail gestaltet. Sie strahlen Beständigkeit und Zeitlosigkeit aus.
Im Zusammenhang mit dem integrierten Ideenwettbewerb zum Fassadenkonzept Karl-Schrem-Bau lobt die Jury vor allem den subtilen und sensiblen Umgang mit dem historischen Bestand, der die charakteristischen Eigenheit des Ortes würdigt und zur geschlossenen Wirkung des zukünftigen Quartiers beiträgt. Die Proportionen der Fenster und die Profilierung der Lisenen bleibt erhalten. Die Wärmedämmung wird konsequent nach Innen verlegt. Unumgängliche Wärmebrücken werden durch begleitende Innendämmung so weit entschärft, dass die physikalischen Taupunkte nicht in den Wohnräumen liegen. Die Westfassade lassen die Architekten weitgehend unberührt, wohingegen die Ostfassade sich zum Neubau und zum Lech öffnet: Das Erdgeschoß kann als offenes, helles Gewerbegeschoß mit geschoßhohen Verglasungen, zum Beispiel als Showroom, genutzt werden. In den Obergeschossen werden Loggien und Wintergärten integriert und ermöglichen damit individuell nutzbare Wohn- und Arbeitsräume.

Variables Grundrisskonzept bei der Neubebauung bietet urbane Vielfalt

Das variable Grundrisskonzept der Neubebauung ermöglicht unterschiedlich teilbare Gewerbeeinheiten im EG sowie flexible Wohngrundrisse in den Obergeschossen. Die wesentlichen Funktionen wie Arbeiten und Wohnen sind im Grundsatz horizontal geschichtet. Die grundlegende Idee der Grundrissgestaltung besteht in der flexiblen Zusammenstellung der Wohnungen durch einen jeweils zentral gelegenen Treppenhauskern. Damit können alle Geschosse als Zwei- bis Vierspänner organisiert und barrierefrei erschlossen werden.
Im Erdgeschoss wird im öffentlichen Raum umseitig immer eine gewerbliche Nutzung angeboten, während die Obergeschosse hauptsächlich dem Wohnen vorbehalten bleiben. Aus Gründen der vorgegebenen Nutzungsquoten und der Optimierung der Funktionalität schlagen Aldinger Architekten einige belebende Abweichungen zum Grundprinzip vor: In den Süd-, Ost-, und Westseiten des Hofes reichen Maisonettewohnungen ins Erdgeschoß um den Wohnungen Terrassen und Gärten im Hof zuzuordnen, an der Nordwest Ecke werden Flächen für Dienstleistungen wie Artzpraxen, Kanzleien und anderes „ruhiges“ Gewerbe auch in das 1. Obergeschoß integriert.
Alle Wohnungen erhalten eine Adresse im öffentlichen Raum und haben Zugang über die Haupterschließung zum begrünten Innenhof, der alle Treppenhäuser miteinander verbindet. Balkone und Loggien wurden entsprechend ihrer städtebaulichen und architektonischen Zuordnung gestaltet und dimensioniert: Nach außen wird ein ruhiges, städtisches Erscheinungsbild angestrebt, während zum Innenhof großzügige Außenbereiche mit direktem Bezug zum Garten angeboten werden.